Welche Fragen man vor Gartenaktivitäten in Schulen und Kitas unbedingt klären sollte – eine Checkliste für die interne Planung von AGs, Fachunterricht oder externen Workshop-Angeboten

Kräuteraktivität mit dem Sprachspinat-Toolkit beim PLURI-Workshop in BerlinKräuteraktivität mit dem Sprachspinat-Toolkit beim PLURI-Workshop in Berlin

Um Gartenaktivitäten in Schulen und Kitas sicher, ansprechend und zielgruppengerecht zu gestalten und mögliche Schwierigkeiten frühzeitig zu vermeiden, sollte man vorab die richtigen Fragen stellen. Dies gilt sowohl für interne Formate wie Garten‑AGs oder Fach- und Projektunterricht als auch für externe Angebote im Rahmen von Workshops oder Gartenfesten. Der aktuelle Blogbeitrag stellt dafür einen detaillierten Fragenkatalog bereit.

Wie jeder Beitrag auf Sprache‑Spiel‑Natur.de enthält auch der heutige Beitrag einen persönlichen Sprachspinat‑Tipp zur Verbindung von Sprachbildung, Naturbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Diesmal geht es um die Anwendung der 6K-Sprachspinat-Prinzipien auf Gartenaktivitäten.

Inhalt

Demonstration der WuPf-Wurm-Pflanzen-Kiste aus dem Sprachspinat-Garten-Konzept im Kölner MoMo-Modellgarten für Schulgärten

Demonstration der WuPf-Wurm-Pflanzen-Kiste aus dem Sprachspinat-Garten-Konzept im Kölner MoMo-Modellgarten für Schulgärten

Warum: Anlass und institutioneller Kontext

  • Welcher Anlass liegt vor (Projekt, AG, Unterrichtsreihe, Fest)?
  • Welcher institutionelle Kontext besteht (Schwerpunkt Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Gesundheitsförderung, Sprachbildung)?
  • Gibt es laufende Projekte, an die angeknüpft werden kann?
  • Welche Rolle soll die Aktivität langfristig im Schul‑/Kitakonzept spielen?
  • Sollen Routinen oder Regeln der Einrichtung gestärkt oder neu eingeführt werden?

Wozu: Lernziele und erwartete Kompetenzen

  • Welche konkreten Lernziele gelten für die Aktivität oder die Reihe?
  • Welche Kompetenzen sollen gefördert: Sach- bzw. Fachkompetenzen, Sozialkompetenzen, Selbstkompetenzen, Sprachkompetenzen auf der -Laut, Wort-, Satz-, Text- oder Interaktionsebene, Nachhaltigkeitskompetenzen?
  • Soll ein konkretes Produkt entstehen (Beet, Kräuterspirale, Komposthaufen)?
  • Stehen Erlebnisorientierung oder Wissensvermittlung im Vordergrund?
  • Wie wird Erfolg gemessen (Beobachtungsbögen, Portfolio, Feedback, Ernteergebnis)?
Kräuter und Materialien beim Kinderuni-Event

Kräuter und Materialien beim Kinderuni-Event

Wer: Teilnehmende

  • Wie viele Teilnehmende sind zu erwarten?
  • Wie alt sind die Teilnehmenden?
  • Handelt es sich um offene oder geschlossene Gruppen?
  • Welche Vorerfahrungen mit Garten, Werkzeugen oder Natur bestehen?
  • Welche Sprachkenntnisse sind vorhanden und wie werden sie erfasst (z. B. Sprachenporträt oder kurzer Fragebogen)?
  • Gibt es gesundheitliche oder kognitive Einschränkungen, Allergien oder besondere Bedarfe?
  • Welche Leitungspersonen, Lehrkräfte bzw. pädagogischer Fachkräfte und Ehrenamtliche oder Freiwillige, die zur Bildungseinrichtung gehören, sind involviert?
  • Welche externen Personen sind beteiligt (z.B. von Naturschutzorganisationen)?
  • Über welche fachlichen oder pädagogischen Qualifikationen und über welche sonstigen Nachweise verfügen diese Personen (Führungszeugnis, Impfungen etc.)?
Wilkräuterhochbeet mit Insektenhotel am Jugendzentrum Köln Weiden

Wilkräuterhochbeet mit Insektenhotel am Jugendzentrum Köln Weiden

Wo: Ort, Zugänglichkeit, vorhandene Elemente

  • Wie groß ist die Fläche; flach oder Hanglage?
  • Ist Barrierefreiheit gegeben (Zugänge, Wege, Begehbarkeit bzw. Befahrbarkeit nach Regen)?
  • Gibt es sonnige und schattige Bereiche?
  • Ist die Fläche eingezäunt oder frei zugänglich?
  • Welche Gartenelemente sind vorhanden (z.B. Hochbeete: Maße/Barrierefreiheit, Gemüsebeete, Staudenbeete, Kräuterbeete, Obstbüsche, Obstbäume, Hecken, Kompost, Teich, Bienenstöcke, Kräuterspirale, Steingarten)?
  • Sind Toiletten, Handwaschmöglichkeiten oder Umkleiden in der Nähe?
  • Gibt es Unterstellmöglichkeiten bei Regen und sichere Lagerorte für Material?
  • Wo befinden sich Wasser‑ und Stromanschlüsse (gesichert oder ungesichert)?
  • Gibt es Beschilderung und Orientierungshilfen (Sprachen, Piktogramme, Braille)?

Was: Inhalte, Lehrplanbezug, Methodik

  • Welche Themen sollen behandelt werden?
  • Welche Themen wurden bereits behandelt und welche Anschlussmöglichkeiten bestehen zu diesen Themen?
  • Welcher Bezug zu Lehrplänen, Bildungsplänen oder dem Konzept der Einrichtung besteht?
  • Welche Sozial- bzw. Arbeitsformen sind geplant (z.B. Einzelarbeit, Paararbeit, Gruppenarbeit, Stationenarbeit, Projektarbeit, Forschungsaufträge, Freiarbeit)?
  • Sind die gewählten Themen und Methoden für die Altersgruppe geeignet oder müssen sie noch angepasst werden?
Jugendzentrum Weiden: selbstgebaute Sitzgruppe und Hochbeete mit Kräutern, Beeren und anderen insektenfreundlichen Pflanzen

Jugendzentrum Weiden: selbstgebaute Sitzgruppe und Hochbeete mit Kräutern, Beeren und anderen insektenfreundlichen Pflanzen

Womit: Ausstattung, Werkzeuge, Materiallager

  • Welche Möblierung ist vorhanden (Sitzgelegenheiten, Tische, Tafeln, Pinnwände; mobil oder fest installiert)?
  • Welche Werkzeuge sind in welcher Anzahl vorhanden und gibt es Gebrauchsanleitungen bei Geräten, wo dies erforderlich ist?
  • Ist Schutzausrüstung vorhanden (Handschuhe, feste Schuhe, Schutzbrillen)?
  • Welche Gieß‑ und Transportgefäße sind vorhanden (Gießkannen, Eimer, Schubkarren)?
  • Welche Geräte und Utensilien zur Nahrungszubereitung stehen zur Verfügung (Herd, Feuerstelle, Waschbecken, Schüsseln etc.) und wie sind sie sicher nutzbar (Anleitungen, Sicherheitshinweise)?
  • Gibt es abschließbare Lagerorte für Material und Verbrauchsmittel?
  • Welche Schreib‑ und Dokumentationsmaterialien sind vorhanden (z.B. Naturjournale, Kameras, Stifte)?
  • Welche Verbrauchsmaterialien sind verfügbar und wer ist für ihre Beschaffung zuständig?
  • Welches Budget oder welche Fördermöglichkeiten bestehen?

Wann: Zeitliche Planung und Saison

  • Wie lange soll das Projekt oder die Reihe insgesamt laufen?
  • Wie lange sollen einzelne Treffen dauern?
  • Wie viele Termine sind in welchem Abstand geplant?
  • Welche saisonalen Aspekte sind zu berücksichtigen (Pflanz‑ und Erntezeiten, Ruhephasen)?
  • Welche Ausfallregelungen und Ersatztermine sind vorgesehen?
  • Wie lange steht die Fläche für Auf‑ und Abbau zur Verfügung?
  • Welche Zeitfenster gibt es für Auf‑ und Abbau?
  • Wie ist der Zugang zur Fläche außerhalb der Termine geregelt (z.B. zur Pflanzenpflege, Vor- oder Nachbereitung)?
Osterglocken im Gemeinschaftsgarten

Osterglocken im Gemeinschaftsgarten

Was nicht: Sicherheit, Hygiene, Rechtliches, Bodenfragen

  • Wer ist rechtlich verantwortlich?
  • Wer übernimmt die Haftung für was?
  • Welche Versicherungen liegen für wen vor?
  • Wer trägt die Aufsichtspflicht während der Aktivität?
  • Sind schriftliche Einverständniserklärungen der Erziehungsberechtigten nötig (z.B. für Fotos und Mediennutzung, ggf. für Verköstigungen oder Ausflüge)?
  • Wie werden personenbezogene Daten gespeichert und geschützt?
  • Liegen Notfallkontakte und Informationen zu Erziehungsberechtigten vor?
  • Ist ein Erste‑Hilfe‑Set vorhanden?
  • Wer ist für Erste Hilfe zuständig und ausgebildet?
  • Wo sind Notausgänge und Zufahrtswege?
  • Welche Hygieneregeln gelten beim Ernten und Zubereiten von Lebensmitteln (Händewaschen, Allergiehinweise)?
  • Wurde die Bodenqualität geprüft – mit welchem Ergebnis?
  • Wurde auf der Fläche Pestizide oder andere Chemikalien eingesetzt?
  • Gibt es invasive oder giftige Pflanzen und wie ist ggf. der Umgang damit geregelt?
  • Welche Alters‑ und Eignungsregeln gelten für Werkzeuge?
  • Gibt es Sicherheitsanweisungen und in welcher Form liegen sie vor?
  • Wie wird mit Witterungsrisiken (Hitze, Sturm, Kälte) und Sonnenschutz verfahren?
  • Liegt eine schriftliche Risikoanalyse vor und welche Maßnahmen wurden daraus abgeleitet?
  • Werden personenbezogene Daten an Teilnehmende, externe Lehrende weitergegeben oder gespeichert und geschützt?
  • Welche Brandschutzregelungen sind zu beachten (z.B. Abstände zu Gebäuden bei der Lagerung von brennbaren Materialien wie Holz)?
  • Befinden sich auf dem Gelände geschützte Arten von Tieren oder Pflanzen und welche Maßnahmen zu deren Schutz müssen vorgenommen werden?
  • Wie wird der Baumschutz gewährleistet (z.B. bei Arbeiten im Wurzelbereich oder bei der Befestigung von Nistkästen oder Insektenhotels)?
  • Sind Genehmigungen bei Fachämtern einzuholen oder diese zu informieren (z.B. beim Fällen von Bäumen oder beim Aufstellen von Hochbeeten oder anderen Baumaßnahmen, die Auswirkungen auf Flucht- und Rettungswege haben könnten)?

Wie: Ablauf, Rollen, Dokumentation, Nachbereitung

  • Welche Rituale, Regeln und Arbeitsformen sind bereits etabliert?
  • Wie ist die Arbeitsteilung (Vorbereitung, Aufräumen, Abschließen etc.) und wie wird sie festgelegt (von der Leitung vs. partizipativ)?
  • Welche Dokumentationsformen werden genutzt (z.B. Naturjournale, Beobachtungsbögen, Portfolios, Fotos)?
  • Wie werden Beobachtungen, Erfolge und Probleme ausgewertet und in die weitere Planung übernommen?
  • Wie erfolgt die Übergabe und langfristige Verankerung des Projekts (AG‑Fortführung, Klassenübernahme, Pflegepläne)?

Mein persönlicher Sprachspinat-Tipp

Beim heutigen Sprachspinat-Tipp zur Verbindung von Sprachbildung, Naturbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung geht es darum, welche Fragen sich ergeben, wenn man die der 6K-Sprachspinatprinzipien auf die Gartenaktivitäten anwenden möchte, damit sie gleichzeitig auch sprachanregend und sprachbildend wirken. Diese Prinzipien erläutere ich in einem YouTube-Video im Online-Kurs des PLURI-Projektes.

Kontexte für Kommunikation schaffen durch geteilte Aufmerksamkeit

  • Sind (Hoch-)Beete, Arbeitsflächen etc. so angeordnet, dass man sich beim Arbeiten gegenseitig anschauen und auf dieselben Pflanzen, Werkzeuge oder anderen Dinge fokussieren kann, so dass ein Austausch darüber angeregt wird?
Bau einer WuPf-Wurmkompost-Pflanzenkiste am Jugendzentrum (JuZe) Köln Weiden

Bau einer WuPf-Wurmkompost-Pflanzenkiste am Jugendzentrum (JuZe) Köln Weiden

Kommunikation anregen durch die Wahl und Verteilung von Material

  • Weisen die Materialien für die geplante Aktivität interessante sensorische Aspekte auf (z.B. Pflanzen mit Duft und flauschigen Blättern) und gibt es sowohl vertraute Materialien, über die man etwas erzählen kann (z.B. eine Pfefferminzpflanze) als auch unbekannte Materialien, die zu Fragen anregen (z.B. das Australische Zitronenblatt)?
  • Wurden Materialien oder Werkzeuge gewählt, deren Handhabung es erforderlich macht, dass sich die Beteiligten sprachlich koordinieren müssen (z.B. große Eimer, die man nicht alleine tragen kann)?
  • Sind Aktivitäten geplant, bei denen die Beteiligten auf unterschiedlichen Seiten einer Barriere stehen (z.B. vor und hinter einer Hecke) und ihre Handlungen sprachlich koordinieren müssen, ohne sehen zu können, was die andere Person sieht (sogenannte referentielle Kommunikationsaufgaben)?
Zitronenblatt und Zitronengras in der Wohnung

Zitronenblatt und Zitronengras in der Wohnung

Kultur aufbauen durch Rituale und Einbeziehung aller (Sprach-)Kulturen

  • Welche (sprachlichen) Rituale sind bereits etabliert (z.B. Begrüßung, Verabschiedung oder Benennen von Werkzeugen oder Pflanzen bei der Ausgabe)?
  • Sollen neue Rituale etabliert werden – mit welchen sprachlichen und sozialen Zielen?
  • Wie werden die Sprachen der Beteiligten bei der Aktivität einbezogen?
  • Werden Regeln zur Verwendung der vorhandenen Sprachen vorgegeben oder gemeinsam aufgestellt?

Kontraste für erhöhtes Sprachbewusstsein und komplexere Sprachproduktion

  • Gibt es Kontraste zwischen Handschuhen, Schubkarren oder Werkzeugen, die einen dazu anregen, komplexere sprachliche Beschreibungen zu verwenden (z.B. die kleine grüne Schaufel vs. die große rote Schaufel mit dem schwarzen Griff oder die kleinen geblümten Handschuhe vs. die großen grauen Handschuhe vs. die kleinen blauen Handschuhe mit den bunten Schmetterlingen)? Falls nicht, (wie) könnte man solche Kontraste schaffen?
  • Gibt es Kontraste zwischen Pflanzennamen, die einen dazu anregen, über die Struktur und den Aufbau von Wörtern nachzudenken (z.B. Zitronenmelisse, Goldzitronenmelisse, Zitronengoldmelisse, Zitronenminze, Ananasminze und Pfefferminze)? Falls nicht, (wie) könnte man solche Kontraste schaffen?
Zitronenmelisse (Melissa officinalis) und Goldzitronenmelisse

Zitronenmelisse (Melissa officinalis) und Goldzitronenmelisse

Kombination von Strategien, insbesondere Wiederholung und Variation für effektive Speicherung von Wortformen und angemessene Generalisierungen

  • Gibt es bestimmte Wortformen, die man während der Aktivität häufiger wiederholen und miteinander kontrastieren könnte, um sie effektiver zu speichern (z.B. irreguläre Formen wie gießen-goss-gegossen)?
  • Kann man – beispielsweise durch die Verwendung bestimmter Pflanzen – Gelegenheiten schaffen, unterschiedliche Wörter jeweils mehrfach zu wiederholen und zu kontrastieren, um den Erwerb von grammatischen Generalisierungen zu unterstützen (vgl. z.B. die Tiernamen und die Kräuternamen mit Basilikum, Minze, Thymian und Zitrone aus dem Sprachspinat-Garten, mit denen man Generalisierungen zur Genuszuweisung, zur Pluralbildung und zur Wortstruktur erwerben kann)?

Konsens in Bezug auf Feedbackoptionen

  • Welche Absprachen gibt es mit der Gruppe bzw. Einzelpersonen in Bezug auf Korrekturen und anderes Feedback bei sprachlichen Problemen und nicht zielsprachlichen Formen?
  • Wie erfolgen solche Absprachen in der Institution?

Ich hoffe, die Fragen aus dem heutigen Blogbeitrag helfen dabei, Probleme bei Gartenaktivitäten zu vermeiden und diese Aktivitäten sicherer, interessanter und sprachbildend zu gestalten. Bei ihrer Erstellung haben mir Diskussionen mit Menschen geholfen, die selbst viel Verwaltungserfahrung, pädagogische Erfahrung und Gartenerfahrung haben, insbesondere Philipp Eisenlohr, Sönke Geske, Anna Heinermann, Emma Hopper, Jörg Machill, Thorsten Neugebauer und Larissa Richter.

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