Katzenminze, Saubohnen und Löwenzahn – Pflanzennamen, in denen sich Tiere versteckt haben

LöwenmäulchenLöwenmäulchen

Katzenminze, Saubohnen und Löwenzahn – Pflanzennamen enthalten oft Tiernamen. In diesem Blogbeitrag erfährt man, warum das so ist und findet noch mehr Beispiele. Außerdem gibt es eine kurze Diskussion zum Unterschied zwischen den deutschen volkstümlichen Pflanzennamen und den lateinischen Pflanzennamen, die man in der Botanik für die wissenschaftliche Bezeichnung von Pflanzen verwendet. Und natürlich gibt es auch eine Liste mit Webseiten zu “tierischen” Pflanzennamen  sowie einen persönlichen “Sprachspinat”-Tipp für alle, die solche Pflanzennamen für die spielerische Sprachbildung nutzen möchten. Wer noch mehr unterhaltsame, botanische oder sprachwissenschaftliche Literatur zu Pflanzennamen sucht, findet sie in einem früheren Blogartikel.

Gründe für die Benennung nach Tieren

Wie wir gleich an ein paar mehr Beispielen sehen werden, hat das Auftreten von Tiernamen in Pflanzenbezeichnungen typischerweise einen der folgenden vier Gründe:

  1. Das Tier ist ein Fressfeind oder Bestäuber der Pflanze und wird daher von ihr angelockt.
  2. Es bestehen Ähnlichkeiten im Aussehen von Pflanze und Tier.
  3. Der Tiername zeigt die “Minderwertigkeit” der Pflanze aus der Perspektive des Menschen an.
  4. Die Pflanze wird für den Tod bestimmter Tiere verantwortlich gemacht oder verwendet, um diesen herbeizuführen.

Im folgenden Bild verstecken sich 3 Tiere – einfach mal raten und dann für die Lösung und mehr Pflanzeninformationen auf die Markierungen im Bild klicken.

1. Das Tier ist ein Fressfeind oder Bestäuber der Pflanze oder wird von ihr angelockt

Manche Pflanzen sind nach Tieren benannt, denen sie als Futterquelle dienen oder die sie anlocken. Dies gilt z.B. für die Namen Schafgarbe, Eselsdistel, Krähenbeere, Ferkelkraut, Gänsekresse, Hasensegge, Mäusegerste, Vogelknöterich oder Katzenminze (Nepeta). Mit solchen Pflanzen ließe sich ein echter oder fiktiver “Futtergarten” für Tiere anlegen.

2. Es bestehen Ähnlichkeiten im Aussehen von Pflanze und Tier

Manchmal taucht ein Name für ein Tier in einem Pflanzennamen auf, weil Teile der Pflanze einem Körperteil des betreffenden Tiers ähneln. Beispiele dafür sind

  • der Elefantenfuß mit seiner klumpigen Form,
  • der Eidechsenschwanz mit seinen vierkantigen, gezackt wirkenden Trieben,
  • der Löwenzahn mit seinen gezackten Blättern, die wie eine Zahnreihe aussehen und
  • das Löwenmäulchen, dessen Blütenform an ein aufgerissenes Löwenmaul erinnert,
Löwenmäulchen

Löwenmäulchen

Beispiele für Ähnlichkeiten mit dem gesamten Tier sind der nach seiner “mammutartigen” Größe benannte Mammutbaum sowie die gemusterte Tigerlilie.

3. Der Tiername zeigt die “Minderwertigkeit” der Pflanze aus der Perspektive des Menschen an

Tiernamen in einem Pflanzennamen können auch darauf hindeuten, dass die betreffende Pflanze als minderwertig angesehen wird. So betrachten viele die eher unscheinbare und wild wachsende Hundsrose als “hundsgewöhnlich” im Vergleich zu Zuchtrosen, die mit vielen großen Blüten übersäht sind. Hinzu kommt, dass die Hundsrose so anspruchslos ist, dass sie häufig als Pionierpflanze auf Brachland auftritt. Auch bei anderen Pflanzennamen zeigt der Namensteil Hund an, dass die Pflanze wild wächst und als minderwertig oder nutzlos angesehen wird. Einige der Pflanzen mit diesem Namensteil sind sogar ungenießbar für den Menschen. So ist z.B. die Hundskamille leicht giftig – im Gegensatz zur “echten” Kamille, die in der traditionellen Medizin eingesetzt wird.
Hunde sind nicht die einzigen Tiere, die bei einem Pflanzennamen eine negative Beurteilung anzeigen. So wurde z.B. die sogenannte Saubohne (Vicia faba L. ssp. faba var. equina Pers.), die im Mittelalter als menschliche Nahrung sehr beliebt war, nach der Einführung der Gartenbohne aus Amerika überwiegend nur noch als Tiernahrung eingesetzt. Daher wurde sie als Saubohne, aber auch als Schweinsbohne, Viehbohne oder Pferdebohne bezeichnet. Es gibt aber auch “tierfreie” Bezeichnungen, z.B. Favabohne, Faberbohne, dicke Bohne, große Bohne, Feldbohne, Ackerbohne oder Puffbohne. Der Name dicke Bohne ist z.B. im Rheinland sehr verbreitet, wo diese Bohne keineswegs als reines Viehfutter angesehen wird, sondern auch heute noch in traditionellen Gerichten kulinarische Verwendung findet.

Saubohnen

Saubohnen

4. Die Pflanze wird für den Tod bestimmter Tiere verantwortlich gemacht oder verwendet, um diesen herbeizuführen

So werden z.B. einige hochgiftige Nachtschattengewächse, wie der schwarze Nachtschatten und das Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) als Hühnertod oder Sautod bezeichnet, da ihr Verzehr den Tod von Hühnern oder Schweinen herbeiführen kann. Aufgrund seiner hohen Toxizität trägt der Eisenhut (Aconitum) wohl auch den Namen Hundstod. Man findet ihn daher auch in einen Artikel mit 19 für Hunde toxischen Pflanzen sowie in einem weiteren Artikel mit toxischen Gartenpflanzen, wo auch weitere volkstümliche Namen wie Würgling oder Wolfsgift für die Giftigkeit des Eisenhuts stehen.

Die Toxizität von Pflanzen für bestimmte Tiere wird gelegentlich auch therapeutisch für den Menschen eingesetzt, was sich in den entsprechenden Namen widerspiegelt. So verwendete man z.B. Wermut (Artemisia absinthium) als Entwurmungsmittel, was ihm den Namen Wurmtod eintrug.

Bücher von Rosemarie Gebauer mit Glockenblumen

Bücher von Rosemarie Gebauer mit Glockenblumen

 

Deutsche volkstümliche Pflanzennamen vs. lateinische Pflanzennamen aus der Botanik.

Manche der deutschen oder “volkstümlichen” Namen werden gleich für mehrere unterschiedliche Pflanzen benutzt. So verwendet man z.B. den Namen  Löwenzahn meist für die “Pusteblume” Taraxacum, gelegentlich aber auch anstelle von Hundslattich für Leontodon nudicaulis. Zugleich haben viele Pflanzen mehrere volkstümliche Namen, die sich auf unterschiedliche Eigenschaften dieser Pflanzen beziehen. Der Löwenzahn (Taraxacum) ist auch hierfür ein gutes Beispiel. Er trägt diesen Namen wegen seines Aussehens, wird aber als Weidepflanze auch Kuhblume genannt. Und natürlich kennt man den Löwenzahn wegen einer anderen Eigenschaft auch als Pusteblume. Der Löwenzahn ist nämlich ein Schirmflieger, bei dem die Achänen (die Schließfrüchte des Löwenzahns) mit haarigen Flugschirmen durch den Wind verbreitet werden. So kann man sie wegpusten und zuschauen, wie sie oft über eine erstaunliche Distanz hinweg schweben.

Manchmal gibt es auch mehrere unterschiedliche Namen für dieselbe Pflanze, obwohl sich alle diese Namen auf dieselbe Eigenschaft beziehen. Dies ist z.B. bei der Hasen-Segge der Fall, die wegen ihrer Ähnlichkeit zu einer Hasenpfote auch Hasenpfoten-Segge, Hasenfuß-Segge oder Hasenriedgras genannt wird.

Gelegentlich hat eine Pflanze auch mehrere ähnlichkeitsbasierte “tierische” Namen, da sie nicht nur einem Tier ähnelt. So nennt man z.B. Scorpiurus wegen seiner gebogenen Hülsenfrüchte sowohl Raupenblume als auch Skorpionsschwanz.

Ein weiteres Beispiel für eine Pflanze mit mehr als einer volkstümlichen Bezeichnung ist der Lerchensporn (Corydalis). Diese leider giftige Waldpflanze hat in Trauben wachsende Blüten, die in einen Sporn auslaufen, der sowohl an die Haubenlerche als auch an die Kralle der Feldlerche erinnert. Corydalis hat neben dem Namen Lerchensporn noch eine Vielzahl volkstümlicher Bezeichnungen, z.B. Zottelhosen, Liebe Herrgottsschüele, Hahnekehlche und Gügarügü. Die Arten in der Gattung der Lerchensporne zeigen dabei unterschiedliche Blütenfarben. Bei allen sind die Blüten aber sehr attraktiv und so war z.B. der Hohle Lerchensporn im März 2016 Pflanze des Monats im botanischen Garten Rostock,

Volkstümliche Namen sind – anders als die lateinischen botanischen Namen – oft auch deshalb verwirrend, da sie nicht die Zuordnung zu Gattungen und Arten widerspiegeln. So ist die Saubohne (Vicia faba L. ssp. faba var. equina Pers.) botanisch gesehen zwar eine Leguminose, aber eine Wicke aus der Gattung der Wicken (Vicia) – und kein Gewächs aus der Gattung der Gartenbohnen (Phaseolus). Auch der Wortbestandteil Minze in der Katzenminze kann verwirrend sein, da hiermit ganz unterschiedliche Gattungen und Arten von Pflanzen gemeint sind, wie man in der folgenden Abbildung sieht. Mehr Informationen dazu und ein Quiz mit botanischen Namen findet man in einem Blogbeitrag zum Thema Minze.

Pflanzennamen mit "Minze" und die botanische Klassifikation

Pflanzennamen mit “Minze” und die botanische Klassifikation

Angesichts dieser Probleme mit den volkstümlichen Namen verwendet man in der Botanik zur Identifikation von Pflanzen stets die lateinischen Namen, die eindeutig und von internationalen Gremien festgelegt sind. Die volkstümlichen Namen haben aber dennoch ihre Bedeutung, u.a. weil Sie uns oft zum Nachdenken über den Ursprung des Namens anregen – und uns so inspirieren, mehr über die betreffende Pflanze in Erfahrung zu bringen. Außerdem kann man sie sich oft auch besser merken, v.a. wenn der Name vertraute Bestandteile enthält. Weitere Informationen zu volkstümlichen und lateinischen Pflanzennamen findet man in den Büchern auf der Spache-Spiel-Natur-Liste mit Literatur zu Pflanzennamen.

Wörterbücher für Pflanzennamen mit Glockenblumen

Wörterbücher für Pflanzennamen mit Glockenblumen

Webseiten zu “tierischen” Pflanzennamen

Bei der Beschreibung der Gründe für Pflanzennamen sowie bei der Suche nach “tierischen” Pflanzennamen habe ich neben meinen eigenen Notizen zu Gesprächen auf Twitter auch einige online frei zugängliche Quellen verwendet:

Schafgarbe mit Schildchen für eine "Wortschatzsuche"-Aktivität

Schafgarbe mit Schildchen für eine “Wortschatzsuche”-Aktivität

Mein persönlicher Sprachspinat-Tipp

“Tierische” Pflanzennamen spielen eine zentrale Rolle im Sprachspinat-Garten-Konzept, das Sprachbildung mit Bildung für nachhaltige Entwicklung verbindet. Mehr Informationen zu diesem Konzept sowie entsprechende Materialien findet man auf dem Sprache-Spiel-Natur.de-Blog in einem Einführungsartikel oder mit dem Hashtag “Sprachspinat-Garten“.

Wer mehr zur Herkunft und Bedeutung von Pflanzennamen – und anderen Wörtern – wissen möchte, kann diese Wörter im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) nachschlagen. Man kann das DWDS aber auch selbst zur Suche von Wörtern mit bestimmten Bestandteilen nutzen. Wenn man z.B. im DWDS nach gängigen Tiernamen wie Katze, Vogel oder Henne sucht, findet man auch einige Pflanzennamen, bei denen das betreffende Tier am Anfang vorkommt (z.B. Katzenpfötchen, Vogelbeere, Vogelhirse oder Vogelkirsche), sowie Wörter mit dem Tiernamen am Ende (z.B. Fetthenne). Als Inspiration für die Suche kann dabei die Liste von Haus- und Wildtieren auf Wikipedia dienen, auf der man auch jeweils die Bezeichnungen für erwachsene männliche, erwachsene weibliche Tiere, kastrierte männliche Tiere und Jungtiere findet (für das Huhn z.B. Hahn, Henne, Kapaun und Küken). Alternativ dazu kann man im DWDS nach gängigen Pflanzennamenbestandteilen wie Kraut suchen und dann Namen wie Habichtskraut oder Gänsekraut finden.

Wenn man in Online-Pflanzendatenbanken wie der Pflanzenenzyklopädie nach Tiernamen sucht, findet man nicht nur “tierische” Pflanzennamen,  sondern auch Informationen über die gefundenen Pflanzen. Bei solchen Recherchen stößt man manchmal auch auf Pflanzennamen, in denen Tiernamen nicht als ein Wort in einem zusammengesetzten Wort (Kompositum) versteckt sind, sondern als bloße Buchstabenkette. So findet man z.B. bei einer Suche nach Rind auf der Pflanzenenzyklopädie-Webseite die Grindelie (Grindelia robusta). Und schon ergeben sich Möglichkeiten für weitere Spiele, bei denen man zwischen verschiedenen Typen von “Verstecktsein” unterscheiden und viel über den Aufbau von Wörtern und ihre innere Struktur lernen kann. Wer dafür Informationen zur Wortstruktur sucht, wird auf der grammis-Seite des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim fündig.

Man kann natürlich auch mit Hilfe der Sprache-Spiel-Natur-Liste einen botanischen Garten, Gartencenter oder eine Gärtnerei finden und dort auf die Suche nach Schildchen mit “tierischen” Pflanzennamen gehen. Dort kann man die gefundenen Pflanzen vielleicht auch kaufen und sich einen tierischen Garten anlegen, in dem man gut gemeinsam auf Wortschatzsuche gehen kann. Wenn man dann noch mit Kindern zusammen Pflanzenschildchen macht, kann man nicht nur den Tier- und Pflanzenwortschatz erweitern, sondern gleich auch noch etwas Lesen und Schreiben üben. Viel Spaß!

Beschriftungsaktivität für den Kräutergarten

Beschriftungsaktivität für den Kräutergarten