Am 16.6. habe ich beim 4. Forum Nachhaltigkeit der Universität zu Köln ein Poster zu meinem Sprachspinat-Konzept für die spielerische Verbindung von Sprachbildung, Naturbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) präsentiert. Im heutigen Blogbeitrag findet man:
- mein Poster und weitere Informationen zum Sprachspinat-Konzept,
- das Programm des Nachhaltigkeitsforums sowie
- weitere Informationen zur Nachhaltigkeit an der Universität Köln und anderen Hochschulen.
In einem früheren Beitrag zu meinem Sprachspinat-Konzept hatte ich bereits für die Einrichtung, Pflege und Weiterentwicklung von grünen (Lern-) Räumen an Hochschulen argumentiert. Daher zeige ich in meinem heutigen Sprachspinat-Tipp, wie man das Sprachspinat-Konzept auf solche Räume anwenden kann.
Das Poster und weitere Informationen zum Sprachspinat-Konzept
Mein Poster „Das Sprachspinat-Konzept zur spielerischen Verbindung von Sprachbildung, Naturbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ beim 4. Forum Nachhaltigkeit der Universität zu Köln kann hier als pdf heruntergeladen werden.
Mein YouTube-Video für den Online-Kurs des EU-Projekts PLURI gibt einen kompakten Überblick über das Gesamtkonzept und seine Bestandteile und ist auf Englisch mit automatisch generierten Untertiteln in vielen Sprachen verfügbar. Die folgenden Blogartikel bieten weitere Präsentationen, Hintergrundinformationen und Anwendungsbeispiele zum Sprachspinat-Konzept:
- Sprachspinat bei der Hochschulallianz zu Well-Being (EUniWell): „The Sprachspinat-concept – transferring psycholinguistic research into language education and education for sustainable development“
- Sprachspinat im BiSS-Café: Impuls zur spielerischen Verbindung von Sprachbildung, Naturbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung
- Sprachspinat auf YouTube: Eine Einführung ins Sprachspinat-Konzept für den Online-Kurs des EU-Projekts PLURI
- Sprachspinat beim Projekt „Plurilingualism for Better Education, Cohesion & Linguistic Diversity“
Das Programm des Nachhaltigkeitsforums
Neben der Postergalerie gab es beim 4. Forum Nachhaltigkeit der Universität zu Köln eine Podiumsdiskussion sowie eine Reihe von Vorträgen und Workshops:
| Eröffnung und Begrüßung
– Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Rektor der Universität zu Köln |
| Vortrag 1: „Kulturelle Nachhaltigkeit, planetare Bewohnbarkeit, und ökologische Gerechtigkeit: Kritische Zonen der geisteswissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung“
– Prof.in Dr. Kate Rigby, Alexander von Humboldt Professorin für Environmental Humanities an der Universität zu Köln Vortrag 2: „Anpassung an den Umweltwandel in Küstenregionen des Globalen Südens“ – Prof. Dr. Boris Braun, Professor für Wirtschaftsgeographie und Umweltwandel an der Universität zu Köln |
| Podiumsdiskussion zum Leitthema: „Sharing a Planet – Sustainability Transitions and Environmental Justice”
Teilnehmende: – Prof.in Dr. Kate Rigby, (MESH, Philosophische Fakultät) |
| Workshop-Phase
1) „Forschung für nachhaltige und resiliente Städte: Perspektiven aus dem UN Academic Impact Hub zu SDG 11“ |

Laube mit Stehtisch im Modularen Modellgarten der Universität zu Köln (MoMo-Garten)
Informationen zur Nachhaltigkeit an der Universität zu Köln und anderen Hochschulen
Informationen zur Nachhaltigkeit und entsprechenden Veranstaltungen an der Universität zu Köln findet man auf der Webseite des Nachhaltigkeitsbüros. Dazu gehören auch die Nachhaltigkeitsstrategie der Hochschule sowie ihr Nachhaltigkeitsnewsletter.
Die Universität zu Köln gehört zur europäischen Hochschulallianz European University for Well-Being (EUniWell), zu der zwölf Universitäten gehören, die auf ihren Webseiten über ihre EUniWell-Aktivitäten berichten:
- Universität Birmingham, UK
- Universität zu Köln, Deutschland
- Universität Florenz, Italien
- Inalco Universität, Paris, Frankreich
- Universität Konstanz, Deutschland
- Linnaeus Universität, Växjö und Kalmar, Schweden
- Universität Murcia, Spanien
- Nantes Université, Frankreich
- Universität Santiago de Compostela, Spanien
- Semmelweis Universität Budapest, Ungarn
- Taras Shevchenko Nationale Universität Kyiv, Ukraine
- Warschauer Medizinische Universität, Polen
Diese Universitäten engagieren sich gemeinsam mit mehr als 60 assoziierten europäischen Partnerinstitutionen für das Wohlergehen des Individuums, der Gemeinschaft und der Umwelt im Mittelpunkt. Ich habe kürzlich mein Sprachspinat-Konzept im Rahmen eines EUniWell-Workshops vorgestellt.
Weitere Informationen zur Nachhaltigkeit in der (linguistischen) Forschung sowie Empfehlungen für nachhaltigere Forschungspraktiken in der Linguistik und anderen Disziplinen findet man im folgenden Artikel:
- Eisenbeiß, S., Torregrossa, J. & Hopper, E. (2025). The role of environmental ethics and sustainability in research ethics for linguistics: what is currently available in terms of guidance and how might that be improved?. Linguistics. https://doi.org/10.1515/ling-2023-0203
Mein persönlicher Sprachspinat-Tipp
Ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit an Hochschulen ist die Schaffung von grünen (Lern-) Räumen. Die folgenden aktuellen Arbeiten beschäftigen sich mit der Landschaftsgestaltung und Grünflächen an Hochschulen und fassen dabei auch vorherige empirische Studien zu den Effekten solcher Flächen auf Lernen, Stressreduktion und Well-Being zusammen:
- Chang, L. (2026). Exploring Campus Landscape Approaches to Student Stress Relief in Canadian Universities (MA dissertation, University of Guelph).
- Prabhu, M. K., Yadav, M., & Arya, B. (2026). Restorative benefits of campus landscapes in a semi-arid Indian university. In A. Sharma, A. Sehrawat, & T. K. Chandola (eds.). Humanities and Social Sciences (pp. 558-564). Routledge.
- Zhao, Z., Zhang, M., Wang, J., Wang, X., & Guo, W. (2026). Restorative campus landscapes and student engagement: Dual affective pathways linking environmental perception to learning and social interaction. Acta Psychologica, 267, 107091.
An der Universität zu Köln findet man schon zwei etablierte grüne Lernorte: Der erste ist der Modulare Modellgarten (MoMo-Garten) der Biologiedidaktik, der ursprünglich für Veranstaltungen im Rahmen des Lehramtsstudiums für das Fach Biologie gedacht war, aber heute für vielfältige Seminare und andere Events genutzt wird. An solchen Events beteilige ich mich auch immer gerne, z.B. mit einem kurzen Impuls zu Pflanzennamen, mit einem Präsentationstisch bei der gemeinsamen Mittagspause oder mit einem Stand bei einem Tag der offenen Tür.

Der Eingang des Modularen Modellgartens der Universität zu Köln (MoMo-Garten)
Der zweite mittlerweile etablierte grüne Lernort der Universität ist der Garten des Zentrums für Lehrkraftbildung (ZfL), der ursprünglich mal ein kleiner Innenhof mit Parkplatz war und gemeinsam mit Studierenden umgestaltet wurde. Diesen Raum habe ich selbst auch für eines meiner Seminare zur Bildung für nachhaltige Entwicklung im sprachbildenden Unterricht genutzt. Ich beteilige mich auch immer gerne an Events in diesem Garten.

Ein Blick in den Garten des Kölner Zentrums für Lehrkraftbildung (ZfL) der Universität zu Köln
Weitere Innenhöfe und andere Orte werden gerade umgestaltet und dann hoffentlich auch als grüne Lernorte genutzt. Dazu haben wir eine Gruppe von Interessierten gegründet, die dies unterstützt. Wer sich uns anschließen möchte oder ähnliche Initiativen in anderen Hochschulen plant, kann uns gerne kontaktieren.
Heute möchte ich zeigen, wie das Sprachspinat‑Konzept dazu beitragen kann, mehr solche grünen Lernräume für Hochschulen (oder andere pädagogische Einrichtungen bzw. Gemeinschaftsgärten) zu schaffen.

Die Sprachspinat-Überblicks-Folie im Vortrag bei EUniWell (1.6.2026)
Natur: Die Pflanzendatenbank
Die Pflanzendatenbank enthält Pflanzen, mit denen sich drei „Gärten“ gestalten lassen: der Küchengarten, der Insektengarten und der Klimagarten. Dabei können diese Gärten als separate Gärten oder als einzelne (Hoch-) Beete gestaltet werden. Man kann die Pflanzen aber auch im Garten verteilen und sich nur bei bestimmten Aktivitäten auf ihre Essbarkeit, Insektenfreundlichkeit und Klimaanpassungen beziehen.
Pflanzenbeispiele aus dem Küchengarten

„Zitronige“ Pflanzen aus dem Sprachspinat-Küchengarten: Hochbeet mit Zitronenmelisse, goldener Zitronenmelisse, Zitronengras, Australischem Zitronenblatt, …
Pflanzenbeispiele aus dem Insektengarten
„Wortschatzbeet“ am Jugendzentrum Köln Weiden
Pflanzenbeispiele aus dem Klimagarten

Dickblattgewächse mit Farb-, Form-und Struktur-Kontrasten
Natur: Die 12R-Prinzipien
Die 12R-Prinzipien für das nachhaltige Gärtnern helfen u.a. bei der Auswahl von Geräten, Materialien, Erden und Düngern.

Die Sprachspinat 12 R für nachhaltiges Gärtnernhttps://fmcoders.com/free-pdf-to-jpg
Natur: Die WuPf-Wurmkompost-Pflanzen-Kiste
Die WuPf-Wurmkompost-Pflanzen-Kiste kann in ihrer tragbaren Version Teil eines solchen Gartens werden. Man kann aber auch einen Wurmkompost-Turm in ein bestehendes Hochbeet einbauen und so eine feststehende WuPf-Version schaffen.

Die Lego-Variante der WuPf-Wurm-Pflanzen-Kiste
- Wurm-Pflanzenkiste beim Eröffnungsevent für die Garten-AG am Jugendzentrum Köln Weiden
- Bau einer WuPf-Wurmkompost-Pflanzenkiste am Jugendzentrum (JuZe) Köln Weiden
- frisch angelegte WuPf-Wurm-Pflanzen-Kiste mit Kräutern, Wurmkompostrohr und Wasserspeicher
Sprache: Die 6K-Sprachspinat-Prinzipien
Die 6K-Sprachspinat-Prinzipien für die Gestaltung von Sprachaktivitäten können auch bei der Gestaltung des Gartens und der Auswahl von Geräten und Pflanzen herangezogen werden:
1. Kontexte für Kommunikation schaffen durch geteilte Aufmerksamkeit
Dies gelingt z.B., indem man (Hoch-) Beete so anlegt, dass sie nicht an Wänden liegen, sondern so, dass man sich beim Arbeiten, Ernten oder Betrachten gegenübersteht und dadurch eher miteinander kommuniziert als beim Nebeneinanderstehen. Im Bild sieht man die neu angelegten Hochbeete im Sprachnaschgarten des Bürgervereins Großenbaum Rahm in Duisburg, den ich berate: Die von den Kindern bearbeiteten Beete stehen in einer Gruppe zusammen und sind so platziert, dass man sich beim Gärtnern über das Beet hinweg anschauen kann.

Neu angelegte Hochbeete im Sprachnaschgarten Duisburg. Die Beetformen und -materialien entsprechen städtischen Vorgaben, aber die Anordnung und Bepflanzung der Beete kann der Bürgerverein Großenbaum Rahm selbst bestimmen.
2. Kommunikation anregen durch die Wahl und Verteilung von Material
Im oben gezeigten Sprachnaschgarten in Duisburg sind die Wege zwischen den zentralen Hochbeeten so angelegt, dass man häufig „verhandeln“ muss, wer gerade wohin gehen kann. Dadurch entstehen beiläufige, natürliche Gesprächssituationen, die sowohl Orientierungssprache als auch kooperative Kommunikation anregen.
Um weitere Gesprächsanlässe zu schaffen, eignen sich Pflanzen mit besonderen sensorischen Eigenschaften sowie eine Mischung aus vertrauten Arten wie Pfefferminze und weniger bekannten Pflanzen wie dem Australischen Zitronenblatt. Solche Kombinationen laden dazu ein, Eindrücke zu vergleichen, Unterschiede zu beschreiben und vielleicht auch gemeinsam neue Wörter zu entdecken.

Stecklinge von Minze und Australischem Zitronenblatt
Kommunikationsfördernd wirken auch Werkzeuge und Behälter, die man nur gemeinsam verwenden kann – etwa große Eimer, die nur zu zweit oder zu dritt getragen oder gefahren werden können.

Die JuZe-Garten-AG am Werk – mit gespendeten Schubkarren und Eimern
3. Kultur aufbauen durch Rituale und Einbeziehung aller (Sprach-)Kulturen
Mehrsprachige Beschilderungen in grünen Lernräumen zeigen die sprachliche Vielfalt der Universität und regen zum Austausch über Gemeinsamkeiten und Verwandtschaften zwischen Sprachen an. Dies gilt insbesondere für weitverbreitete Pflanzen wie die (Pfeffer-) Minze, für die es in vielen Sprachen der Welt einen Namen gibt und diese Namen viele Ähnlichkeiten miteinander zeigen.
Da Pflanzenschilder meist klein sind, können durch QR-Codes weitere Informationen bereitgestellt werden, z.B. durch Links zu mehrsprachigen Webseiten wie Wikipedia.

Mehrsprachige Pflanzenbeschilderung im interkulturellen Naschgarten in Lübeck
4. Kontraste für erhöhtes Sprachbewusstsein und komplexere Sprachproduktion
Kontraste, die zum genauen Hinschauen und zur Verwendung komplexerer Sprache anregen, lassen sich in grünen Lernräumen sehr einfach schaffen, beispielsweise durch Pflanzen derselben Art mit Blüten in unterschiedlichen Farben, durch Bänke in gleicher Form, aber in verschiedenen Längen oder Farbtönen, oder durch Gartenhandschuhe aus unterschiedlichen Materialien, Farben und mit verschiedenen Aufdrucken.
Kontraste können außerdem genutzt werden, um die Verwendung von Raumausdrücken anzuregen. Ein einfaches Beispiel ist die Bepflanzung zweier Beete mit denselben Pflanzen, die jedoch unterschiedlich angeordnet sind.

Sprachspinat-Sprachimpuls Calendulablüten
5. Kombination von Strategien, insbesondere Wiederholung und Variation für effektive Speicherung von Wortformen und angemessene Generalisierungen
Grüne Lernorte kann man natürlich einfach als angenehme Lernräume für Sprachkurse nutzen. Wenn ein solcher Ort jedoch nach den 6K‑Sprachspinat‑Prinzipien gestaltet ist, eignet er sich auch sehr gut für informelle Sprachlernaktivitäten beim gemeinsamen Gärtnern.
So muss man beim gemeinsamen Gießen von (Hoch‑)Beeten oder Pflanztöpfen häufig koordinieren, wer welche Pflanzen bereits gegossen hat und welche noch fehlen. Wenn die Pflanzen und Pflanzgefäße nach dem Kontrastprinzip ausgewählt wurden (Prinzip 4) und ihre Anordnung Kontexte für geteilte Aufmerksamkeit schafft (Prinzip 1), entstehen dabei ganz natürlich Sequenzen von Wiederholungen und Variationen und dadurch sehr gute Bedingungen für sprachliche Routinen und den Erwerb komplexerer Strukturen.
Ein Beispiel ist die folgende Sequenz, die sowohl den Erwerb des unregelmäßigen Verbs gießen als auch das Erlernen von Farbwörtern unterstützt:
Hast du schon die Tulpen im blauen Topf gegossen? Nee? Dann gieße ich die. Kannst du dann die Tulpen im roten Topf gießen.

Hinweisschild im Lübecker Naschgarten
6. Konsens in Bezug auf Feedbackoptionen
Manche grüne Lernorte werden regelmäßig für bestimmte Treffen genutzt. Wenn es sich dabei um Treffenden von Sprachlernenden handelt, z.B. um Sprachclubs oder internationale Gruppen, kann man sich in diesen Gruppen auf Grundregeln einigen, z.B. darauf, ob implizite oder explizite Korrekturen von „Fehlern“ erwünscht sind oder eher nicht. Dafür kann man auch entsprechende Schilder erstellen und im Garten lagern, die man zur Erinnerung bei Treffen aufstellen kann.
Solche Schilder kann man auch partizipativ erstellen und damit einen weiteren Gesprächsanlass schaffen. Dies gilt auch für andere gemeinsam beschlossene Schilder im grünen Lernraum, z.B. Schilder zur Nutzung der Pflanzen.
Viel Spaß und Erfolg beim Einrichten von grünen Lernräumen! Ich würde mich freuen, mehr über solche Projekte zu hören oder mit ihnen zu kooperieren.

Die WuPf-Wurmkompost-Pflanzenkiste, ein Infoblatt zu den 12R für nachhaltiges Gärtnern sowie Australische Zitronenblattstecklinge aus dem Sprachspinat-Küchengarten bei einem Event im Modularen Modellgarten der Universität zu Köln (MoMo-Garten)
Poster: "Das Sprachspinat-Konzept zur spielerischen Verbindung von Sprachbildung, Naturbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)" 

